
Flugzeugabsturz am 14.01.1975
Einschätzung des Einsatzes der
Feuerwehren beim Flugzeugabsturz am 14.01.1975
Feuerwehren beim Flugzeugabsturz am 14.01.1975
1. Alarmierung und Anfahrt der Kräfte und Mittel der Feuerwehr
Der genaue Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes ist nicht bekannt. Am 14.01.1975 um 10.19 Uhr wurde das Kommando Feuerwehr Cottbus über Melder Nr. 26 alarmiert. Daraufhin rückte das TLF 15 1:3 aus und das LF 16 1:8 wurde nachgefordert. Um 10.20 Uhr rief der Bürger Erich Schroff über Notruf 112 an und meldete vom Telefon Nr. 60/1924 den Flugzeugabsturz. Um 10.20 löste der Diensthabende der Feuermelde- und Alarmzentrale des Kdo. F Alarm für die restlichen Kräfte und Mittel des Kdo. F aus.
Über Funk wurde Lage gegeben und 10.21 Uhr das LF 16/II Stärke 1:4, SW Stärke 1:1, RTW Stärke 1:1 und die DL30 Stärke 1:0 alarmiert. Diese Kräfte und Mittel sowie das LF 16/I befanden sich zu diesem Zeitpunkt zur Durchführung des planmäßigen Dienstsportes auf dem Sportplatz an der alten Burger Chaussee (Bildungszentrum). Da sie bereits vorher die Rauchwolke gesehen hatten und sich auf einen Einsatz vorbereiteten, rückten sie ohne Verzögerung um 10:22 Uhr vom Sportplatz zum Havarieort ab.
Eintreffen an der Einsatzstelle:
10.15 Uhr TLF 15 G5
10.26 Uhr LF 16/I, LF 16/II, SW, RTW
10.28 Uhr DL 30 (der Fahrer fuhr am Kdo.F vorbei und nahm den Kdo.- Leiter und 3 Offiziere der Abt. F bzw.) des Kdo. F mit.
Zur gleichen Zeit traf die vom Kdo. alarmierte FF des TKC mit Kleinlöschfahrzeug B 1000 Stärke 1:5 am Einsatzort ein, 4 Kameraden der FF folgten kurz danach.
10.41 Uhr traf der Leiter F des VPKA am Einsatzort ein. Von ihm wurde 10.46 Uhr die FF des RAW alarmiert. 10.51 Uhr trafen das TLF der FF des RAW 1:3 und das LF 8 - TS 8- STA 1:5 am Einsatzort ein. Sie blieben Reservekräfte und wurden nicht mehr eingesetzt.
Die Verzögerung der Ausrückzeit der Genossen auf dem Sportplatz kann höchstens mit einer Minute angenommen werden (Differenz zwischen der Ankunft des TLF, das direkt vom Kdo. F ausrückte und den K. und M. vom Sportplatz). Von den Kräften, die zum Dienstsport auf dem Sportplatz waren, wird übereinstimmend geäußert, dass sie bereits mehrere Minuten die Rauchwolke feststellten (konkrete Zeitangaben liegen nicht vor, geschätzt etwa 2 bis 4 Minuten), ehe sie alarmiert wurden. Es war vom Standpunkt nicht möglich, die konkrete Richtung zu bestimmen.
Zum Abtransport der Verletzten vor dem Eintreffen der Feuerwehr wurde eine Rücksprache mit Koll. Schwellow, Einsatzleiter beim DRK Cottbus, geführt. Das DRK erhielt um 10.20 Uhr die Weisung vom OdH des VPKA zur Anfahrt aller zur Verfügung stehenden Krankentransportwagen zur Einsatzstelle. Vor dem Stützpunkt Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße standen zu dieser Zeit zufällig 7 Sankra B 1000 (u.a. aus den Kreisen Lübben und Luckau). Diese wurden sofort eingesetzt und hatten verkehrstechnische Vorteile gegenüber den schweren Löschfahrzeugen der F.
Beim Eintreffen der Sankra an der Einsatzstelle waren die Verletzten durch Kräfte der Ambulanz des TKC bereits versorgt und für den Abtransport vorbereitet, der dadurch ohne jegliche Verzögerung durch 4 Krankenwagen erfolgen konnte.
Dadurch kamen die ersten DRK Fahrzeuge den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr bei der Anfahrt der Einsatzstelle entgegen. Das fast gleichzeitige Eintreffen der Kräfte und Mittel der NVA Feuerwehr sowie des Kdo.F ergibt sich aus der früheren Alarmierung der NVA Kräfte, wo der Absturz beobachtet wurde und einer etwa gleichen Anfahrtstrecke.
2. Lage beim Eintreffen der Kräfte des Kommando F
Abschnitt I - Straßenseite des Objektes
Das Flugzeug war in das 2. Geschoss unmittelbar in der Nähe des 3. Einganges des Wohnblockes eingedrungen. Es war eine starke Brandausbreitung vom Keller bis zum 4. Obergeschoss erkennbar. Der Einsatzleiter der F sah sich vor folgender Lage.
Es war nicht bekannt:
- ob das Flugzeug aufmunitioniert war
- ob alle Treibstofftanks beschädigt und ausgelaufen waren
- ob die Sicherheitssysteme (Pressluftflaschen) angesprochen haben oder nicht
- ob die Standfestigkeit des Objektes infolge des Zerstörungsgrades auch bei der intensiven Brandeinwirkungnoch gegeben ist
- ob die elektrischen Anlagen noch unter Spannung stehen und sich explosive Gas-Luftgemische gebildet haben
Richtig wurde der Entschluss gefasst, den ersten Angriff mit dem TLF von der Straßenfront und den anderen K. und M. von der Hinterseite vorzutragen. Die Kräfte des TLF von der NVA, die mit dem öffnen der Türen in den Nebeneingängen beschäftigt waren, wurden mit dem TLF (Tatra) - ein Löschfahrzeug mit hoher Schlagkraft - ebenfalls von der Straßenseite eingesetzt. Weiterhin wies er auf Grund der Explosionsgefahr an, beide Nebeneingänge zu evakuieren. Dazu mussten 18 Wohnungstüren gewaltsam geöffnet und die Wohnungen nach Personen abgesucht werden. Diese Durchsuchung war etwa 10.40 Uhr abgeschlossen. Die nachfolgende Erkundung der Lage bestätigte die Richtigkeit dieses Entschlusses. Sie ergab:
1. Die intensive Brandeinwirkung war im Keller und dem 1. und 2. Geschoss an der Vorderfront erkennbar. Nach späterer Mitteilung der Genossen der NVA hatte das Flugzeug noch mindestens 800l Kraftstoff an Bord. Später wurde festgestellt, dass beim Absturz sofort alle 4 Kraftstoffbehälter zerstört wurden und damit der gesamte Kraftstoff schlagartig ausgetreten ist. Dies erklärt die intensive Verbrennung und die sofortige Brandausbreitung sowie die mehrmals erfolgenden verpuffungsähnlichen Aufflammungen im 1. bis 4. Geschoss.
2. Ein Vordringen im Treppenhaus war nicht möglich auf Grund der außerordentlich hohen Temperaturen. Hier tropfte und floss laufend geschmolzenes Magnesium und Aluminium herunter. Die Treppe zwischen dem 1. und 3. Geschoss war zerstört und nicht begehbar. Die Gefährdung der Einsatzkräfte wäre unverantwortlich gewesen.
3. Die Sogwirkung im Treppenhaus hatte durch das öffnen der Rauchklappen eine hohe Intensität, wodurch sich der Brand schnell auf alle Geschosse ausbreitete. (Später zeigte sich, dass durch offene Wohnungstüren die Brandübertragung vom Korridor in die Wohnungen begünstigt wurde.)
Die hier eingeleitete Kühlung des Wracks zur Verminderung der Explosionsgefahr vom TLF des Kdo. F und die Schaumbrandbekämpfung zur Löschung des brennenden Kraftstoffes vom TLF der NVA erwies sich als wirksam. Der eingesetzte Abschnittsleiter Lt. Ulbrich , amtierender Kommando Leiter des Kdo. F , unterstützt vom Genossen Major der F Kamm , beherrschte jederzeit die Lage. Das Zusammenwirken mit den Kräften der NVA war gut organisiert.
Abschnitt II Westseite (Balkonseite)
Aus dem 1. und 4. Geschoss drangen starke Rauchwolken und große Hitzeentwicklung war spürbar, was auf einen intensiven Brand in allen Räumen schließen ließ.
Auf allen Balkons und an den Fenstern waren keine Personen festzustellen. Lm Börold meinte eine Person hinter dem Fenster zu sehen. Er verständigte nicht den Einsatzleiter (Major Baudach). Er versuchte diese Person zu Retten, was erst im 3. Vorstoss gelang. Es handelte sich um die später lebend gerettete Frau.
Der Entschluss lautete, von dieser Seite den Innenangriff aufzubauen und vorzutragen und von den unteren Geschossen nach den oberen vorzugehen bei gleichzeitiger Verhinderung der Brandausbreitung in allen Geschossen besonders die Brandübertragung auf die Nachbarwohnungen sowie die vermutliche Menschenrettung zu erzwingen. Als Löschmittel wurde Wasser festgelegt. Der am Anfang eingeleitete Schaumangriff wurde eingestellt, um die Erstickung bzw. Verätzung vermutlich noch im Objekt befindlicher Personen zu vermeiden. Der Entschluss entsprach der Lage .
Die Handlungen in diesem Abschnitt wurden erschwert durch:
den Einsatz über Leitern, es wurden die Drehleiter, 2 Schiebleitern und 2 Steckleitern eingesetzt, d.h. alle zur Verfügung stehenden Leitern
alle Trupps mussten mit Druckluftatemgeräten ausgerüstet werden.
Die Menschenrettung konnte nur im kombinierten Einsatz mit der Brandbekämpfung erfolgen. Nach Rückgang der Brandintensität am Flugzeugwrack verbesserten sich die Einsatzbedingungen der Einsatzkräfte im Abschnitt II.
Gegen 11.00 Uhr wurde eine verletzte Person lebend aus dem 4. Geschoss gerettet. Gegen 11.30 Uhr war der Brand bis auf Restablöschungen liquidiert.
Als Abschnittsleiter fungierte Oblt. der F Specht Kdo.F Cottbus unterstützt von Genossen der Abt.F/BdVP.
3. Einschätzung der Handlungen
Es handelte sich um eine komplizierte Einsatzsituation, da viele Faktoren unbekannt waren und erst sehr spät durch Angehörige der NVA aufgeklärt werden konnten. Die Brandintensität war für Brände in Wohnobjekten außergewöhnlich hoch (verursacht durch den Kraftstoff). Die Temperaturen müssen bei etwa 1000 °C gelegen haben. Die Führung der Kräfte und Mittel war durchgehend gewährleistet. Die Einteilung in 2 Abschnitte erfolgte rechtzeitig und taktisch richtig. Die taktischen Grundelemente bei Flugzeughavarien wurden eingehalten (lt. Fachliteratur). Auf Grund der hohen Brandintensität war nur ein geschossweises Vorgehen der Einsatzkräfte möglich. Jedes Eindringen in die einzelnen Geschosse musste erzwungen werden.
Die Löschwasserversorgung und Bereitstellung von Löschmitteln war über den ganzen Einsatz gesichert (auch Schaummittel). Der überwiegende Teil der Genossen bewies eine hervorragende Einsatzbereitschaft. Für die jüngeren Genossen bedeutete dieser Einsatz die erste größere Bewährungsprobe. Bei einzelnen Genossen zeigten sich dadurch Angsterscheinungen. Dieser Aspekt muss weiter beachtet werden. Bei einigen Genossen zeigten sich fehlende Fertigkeiten bei solchen Tätigkeiten wie Menschenrettung mit Krankentrage über Leitern sowie der Bergung von Leichen. Diese Variante ist kompliziert und kommt selten vor. Dies muss im Ausbildungsprozess berücksichtigt werden.
Einige weitere Schlussfolgerungen wurden gezogen und mit dem Kommando Feuerwehr Cottbus ausgewertet. Sie hatten keinen Einfluss auf den Ablauf des Einsatzes. Die Auswertung solcher Schlussfolgerungen erfolgt ohne Nennung des Vorkommnisses in den anderen Kdo. Feuerwehren und Betriebsfeuerwehren sowie in den freiwilligen Feuerwehren.
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| Blick auf die Unglücksstelle aus Richtung der Bäckerei Schiemenz. Fotomontage | Noch heute sind die Spuren des Flugzeuabsturzes an der Fassade zu erkennen. Schmellwitzer Straße 2 |
Abschrift des einzigen vorhandenen Dokuments
Quelle: Chronik BF Cottbus in Zusammenarbeit mit Dietmar Rische
Fotos: as © 2009


